{"id":124,"date":"2020-10-13T10:01:00","date_gmt":"2020-10-13T09:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/bobooki.system21.org\/?p=124"},"modified":"2022-11-30T21:06:23","modified_gmt":"2022-11-30T20:06:23","slug":"utopien-fur-realisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/2020\/10\/13\/utopien-fur-realisten\/","title":{"rendered":"Wieso es sich lohnt, das Unm\u00f6gliche zu denken"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wieso fr\u00fcher alle schlechter war und vielleicht genau das das Problem ist<\/strong>.<\/h4>\n\n\n\n<p>\u201cDas wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen k\u00f6nnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen k\u00f6nnen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Zitat auf der R\u00fcckseite des Buchcovers beschreibt <a href=\"https:\/\/bobooki.de\/articles?utf8=%E2%9C%93&amp;article_search_form%5Bq%5D=rutger+bregman\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rutger Bregmans <em>Utopien f\u00fcr Realisten<\/em><\/a> perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Hans Rosling in <a href=\"https:\/\/bobooki.system21.org\/2020\/08\/25\/factfulness\/\">Factfulness<\/a> bereits ausdr\u00fccklich beschrieben hat, war fr\u00fcher objektiv eigentlich alles schlechter, als es heute ist. Selbst in den reichsten L\u00e4ndern der Welt, wie z.B. den Niederlanden oder den Vereinigten Staaten, war die Lebenserwartung im Jahr 1800 noch geringer, als sie im Jahr 2012 im Land mit der weltweit schlechtesten Gesundheitslage, Sierra Leone, war. Sieht man sich die heutige Lebenssituation in Westeuropa an, dann kommt sie dem Schlaraffenland der mittelalterlichen Vorstellungswelt ziemlich nah.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend es den Menschen zu der damaligen Zeit nicht an utopischen Wunschgedanken fehlte, waren sie ja schlie\u00dflich vorwiegend arm, hungrig, schmutzig, voller Furcht und dumm, so scheint es, dass wir in der heutigen westlichen Gesellschaft unser utopisches Gedankengut verloren haben. Aber sind wir wirklich schon am Ende der Fahnenstange angelangt? M\u00fcssen die Dinge ab jetzt immer so bleiben, wie sie sind? Ist alles heute gut so, wie es ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Aber warum arbeiten wir dann heute h\u00e4rter als noch in den achtziger Jahren, obwohl wir reicher sind als je zuvor? Warum leben immer noch Menschen in Armut, w\u00e4hrend wir global insgesamt reich genug sind, um der Armut ein f\u00fcr alle Mal ein Ende zu machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Diese und weitere Fragen wirft Rutger Bregman in seinem Bestseller auf und legt Ideen dar, die uns dabei helfen k\u00f6nnen, eine bessere Zukunft zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Radikale Ideen, die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig sind<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Bregman,&nbsp; bekannt f\u00fcr seinen Auftritt beim <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=paaen3b44XY\">Weltwirtschaftsforum in Davos<\/a>, stellt verschiedene zun\u00e4chst utopisch wirkende Ideen vor und belegt ihre Verwirklichbarkeit eindrucksvoll. Seiner Meinung nach ist die Zeit l\u00e4ngst reif f\u00fcr eine 15-Stunden-Woche, Offene Grenzen und das Bedingungslose Grundeinkommen. Was f\u00fcr den ein oder anderen vielleicht naiv und etwas zu gutm\u00fctig klingen mag, hat allerdings Hand und Fu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Das Bedingungslose Grundeinkommen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Armen Menschen einfach Geld zu schenken scheint f\u00fcr viele keine Option. Dabei werden meist drei Argumente gegen ein solches Grundeinkommen genannt.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Aussichtslos: K\u00f6nnen wir das \u00fcberhaupt bezahlen?<\/li><li>Gef\u00e4hrlich: W\u00fcrden die Menschen dann nicht einfach aufh\u00f6ren zu arbeiten?<\/li><li>Widernat\u00fcrlich: M\u00fcsste dann nicht eine Minderheit h\u00e4rter arbeiten, um die faule Mehrheit zu ern\u00e4hren?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bregman beantwortet diese Fragen sachlich und fundiert und gibt uns somit den Raum, unser bisheriges gesellschaftliche System zu hinterfragen(S. 50ff.):<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht eher aussichtslos, Geld in einen b\u00fcrokratischen Apparat zu stecken, der Sozialhilfeempf\u00e4nger um jeden Preis in Jobs mit geringer Produktivit\u00e4t zw\u00e4ngt?<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht viel mehr gef\u00e4hrlich, auf Innovationen zu verzichten, wenn sich immer mehr kluge K\u00f6pfe, um ein hohes und sicheres Einkommen zu bekommen, f\u00fcr \u201cBullshitjobs\u201d entscheiden, die den Wohlstand nur verschieben, anstatt neuen zu schaffen?<\/p>\n\n\n\n<p>Und ist unser heutiger Sozialstaat nicht widernat\u00fcrlich, wenn er Beamte einsetzt, die Unterst\u00fctzungsempf\u00e4nger kontrollieren und sie durch Anspruchspr\u00fcfungen, Bewerbungen, Bewilligungen und R\u00fcckforderungsverfahren dem\u00fctigt?<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"2\"><li><strong>Die 15- Stunden Woche<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den bedeutendsten \u00d6konomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, war die Beantwortung der Frage nach der gr\u00f6\u00dften Herausforderung des nachfolgenden Jahrhunderts im Jahr 1930 einfach: die Freizeit. \u201cIm Jahr 2030 werden wir nur noch 15 Stunden in der Woche arbeiten\u201d (S. 129f.).&nbsp; Der technische Fortschritt und die damit einhergehende Produktivit\u00e4tssteigerung \u201csollte genutzt werden, um die Arbeitswoche so weit wie m\u00f6glich zu verk\u00fcrzen\u201d (von Bregman aus John Stuart Mills <em>Evangelium der Mu\u00dfe<\/em> zitiert). Fragt man sich nun, welche Probleme tats\u00e4chlich mit einer Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit gel\u00f6st werden, stellt Bregman die Gegenfrage: Gibt es ein Problem, das man mit einer Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit nicht l\u00f6sen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Stress? Klimawandel? Unf\u00e4lle? Arbeitslosigkeit? Emanzipation der Frau? Alternde Bev\u00f6lkerung? Ungleichheit?<\/p>\n\n\n\n<p>Richtig umgesetzt kann eine Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit f\u00fcr all diese Probleme eine L\u00f6sung sein. Letztendlich geht es hier nicht darum,&nbsp; endlose lethargische Wochenende zu verbringen, sondern mehr Zeit f\u00fcr Dinge zu haben, die uns wirklich wichtig sind.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"3\"><li><strong>Offene Grenzen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Hier m\u00f6chte ich lieber nicht zu viel vorgreifen. Die Argumente gegen Zuwanderung sind allseits bekannt.&nbsp; Einen Fakt m\u00f6chte ich allerdings zitieren: \u201cIn den sechziger Jahren \u00fcberquerten Millionen von Mexikanern die Grenze (zur USA), aber 85 Prozent von ihnen kehrten im Lauf der Zeit in ihr Geburtsland zur\u00fcck. [\u2026] Seit den achtziger Jahren ist die US- amerikanische Seite der Grenze erheblich militarisiert worden. [\u2026] Mittlerweile kehren nur noch 7 Prozent der illegalen Einwanderer aus Mexiko irgendwann in ihre alte Heimat zur\u00fcck.\u201d (S. 225)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie (utopische) Ideen genau jetzt, in Zeiten der Pandemie, die Welt ver\u00e4ndern k\u00f6nnen!<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ideen zur Verbesserung der Welt sind nobel und wichtig, ohne konkrete Umsetzungen bringen diese uns allerdings nicht viel. Bregman gibt dem Leser dazu interessante Gedanken mit auf den Weg. Als Historiker wei\u00df er, dass gesellschaftliche Utopien eine Tendenz dazu haben, Wirklichkeit zu werden. Die Frage ist dann nicht, <em>ob <\/em>neue Vorstellungen die alten abl\u00f6sen k\u00f6nnen, sondern <em>wie <\/em>das zu bewerkstelligen ist.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Forschungsergebnisse weisen hier darauf hin, dass Schocks Wunder bewirken k\u00f6nnen: Die Welt wird selten schrittweise, sondern meist in abrupten Sch\u00fcben ver\u00e4ndert. Ein \u00f6konomischer Vertreter, der unser heutiges Wirtschaftssystem mit gepr\u00e4gt hat wie kaum ein anderer, Milton Friedman, sagte einst \u201cNur eine Krise f\u00fchrt zu wirklichen Ver\u00e4nderungen\u201d (zitiert auf S. 244). Dieser nutzte seinerzeit die Krise 1973, in der die westlichen Volkswirtschaften in eine Rezession schlitterten, um das f\u00fcnfzig Jahre zuvor noch als radikale Idee geltende System des Neoliberalismus salonf\u00e4hig zu machen. Friedman, der selber von der Macht neuer und teils radikaler Ideen \u00fcberzeugt war, sorgte somit f\u00fcr den Start eines globalen Systems, dass wenig Raum f\u00fcr eben diese l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher sollte uns die aktuelle Situation wachr\u00fctteln. \u201cWenn eine Krise eintritt, h\u00e4ngen die Ma\u00dfnahmen, die ergriffen werden, davon ab, welche Ideen bereitliegen\u201d (ebenso Friedmann). Im Gegensatz zur Weltwirtschaftskrise 2008 sind wir diesmal ausgestattet mit einer Vielzahl an wertvollen Ideen. Die Krise hat uns dazu gezwungen, systemrelevante Jobs aufzulisten, unser Konsumverhalten zu reflektieren und uns auf die wichtigen Dinge im Leben zu besinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist es an uns, zusammen diese Ideen zu konkretisieren und eine Gesellschaft zu schaffen, in der wir nicht nur Meinungsfreiheit haben, sondern auch etwas zu sagen und etwas, an das wir glauben k\u00f6nnen (S. 246): \u201cUnser Ziel sollte nicht ein vollkommenes Utopia sein, sondern eine Welt, in der Phantasie und Hoffnung lebendig sind\u201d (Bertrand Russell, zitiert auf S. 29). Es ist an uns, diese Zukunft zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lesen von <em>Utopien f\u00fcr Realisten<\/em> weckt bei mir ein gro\u00dfes Verlangen danach, wieder zu tr\u00e4umen und mich zu fragen: was f\u00fcr ein Mensch m\u00f6chte ich sein? In was f\u00fcr einer Gesellschaft m\u00f6chte ich leben? Was f\u00fcr eine Welt m\u00f6chte ich meinen Kindern hinterlassen? Ist die \u201cfreie Marktwirtschaft\u201d und unser kapitalistisches System, so wie wir es jetzt vorfinden, tats\u00e4chlich das Ende der Fahnenstange?<\/p>\n\n\n\n<p>Schlussendlich stellt sich die Frage: Sind wir auf dem richtigen Weg? Oder sollten wir die Segel nicht schleunigst Richtung Utopia setzen?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/bobooki.de\/articles?utf8=%E2%9C%93&amp;article_search_form%5Bq%5D=rutger+bregman\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"640\" src=\"https:\/\/bobooki.system21.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/utopien-fuer-realisten-300840617.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1233\" srcset=\"https:\/\/bobooki.system21.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/utopien-fuer-realisten-300840617.jpg 640w, https:\/\/bobooki.system21.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/utopien-fuer-realisten-300840617-300x300.jpg 300w, https:\/\/bobooki.system21.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/utopien-fuer-realisten-300840617-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Rutger Bregmans &#8220;Utopien f\u00fcr Realisten&#8221; im Bobooki-Shop jetzt versandkostenfrei direkt zu Dir nach Hause bestellen!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-luminous-vivid-amber-to-luminous-vivid-orange-gradient-background has-background\" href=\"https:\/\/bobooki.de\/articles?utf8=%E2%9C%93&amp;article_search_form%5Bq%5D=rutger+bregman\">Zum Bobooki-Shop<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieso fr\u00fcher alle schlechter war und vielleicht genau das das Problem ist.<br \/>\nRutger Bregman: &#8220;Utopien f\u00fcr Realisten&#8221;<\/p>","protected":false},"author":3,"featured_media":1161,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1,48],"tags":[76,77,78,75],"class_list":["post-124","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues","category-wirtschaft-transformation","tag-15-stunden-woche","tag-offene-grenzen","tag-technologischer-fortschritt","tag-unabhaengiges-grundeinkommen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/bobooki.system21.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Utopien_F\u00fcr_realisten_1000x1000.png","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2127,"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124\/revisions\/2127"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1161"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=124"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bobooki.system21.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}